Angezündet wird von oben

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Blick in einen Ofen bei dem Holz von oben entzuendet wird

Die meisten Menschen zünden ihren Ofen so an, wie sie es als Kind am Lagerfeuer gelernt haben: Papier unten, kleines Holz drauf, große Scheite obendrauf, und dann von unten anzünden. Das funktioniert – aber es ist nicht die beste Methode. Wer das Feuer stattdessen von oben anzündet, bekommt eine sauberere Verbrennung, weniger Rauch und eine klarere Sichtscheibe. Klingt widersinnig, ist aber Physik. Hier erfahren Sie, warum das so ist und wie es geht.

Der Unterschied: von unten oder von oben

Beim klassischen Anzünden von unten entzündet sich zuerst das untere Holz. Die Flammen schlagen sofort nach oben durch den ganzen Stapel. Dabei werden die oberen, noch kalten Scheite stark erhitzt, bevor sie richtig brennen – und geben dabei große Mengen unverbrannter Gase und Rauch ab, die einfach zum Schornstein hinausziehen. Das ist die Phase, in der ein Ofen am meisten qualmt und die Scheibe verrußt.

Beim Anzünden von oben dreht sich das um. Das Feuer beginnt oben und arbeitet sich langsam nach unten durch den Stapel. Die heißen Flammen ziehen dabei nach oben durch eine bereits heiße Zone – und verbrennen die aufsteigenden Holzgase fast vollständig, statt sie ungenutzt entweichen zu lassen. Das Ergebnis: deutlich weniger Rauch, eine saubere Verbrennung und mehr Wärme aus demselben Holz.

Warum von oben sauberer brennt

Der Schlüssel sind die sogenannten Holzgase. Wenn Holz erhitzt wird, entweichen brennbare Gase, bevor das eigentliche Holz verglüht. Verbrennen diese Gase vollständig, holen Sie das Maximum an Energie heraus und es entsteht kaum Rauch. Entweichen sie unverbrannt, verschenken Sie Energie und belasten die Umwelt.

Beim Anzünden von oben steigen die Holzgase aus den unteren, sich langsam erwärmenden Scheiten durch die heiße Flammenzone darüber – und verbrennen dort fast restlos. Beim Anzünden von unten dagegen schießen die Gase aus den kalten oberen Scheiten direkt in den noch kühlen Schornsteinbereich und entweichen größtenteils unverbrannt. Genau deshalb qualmt ein von unten angezündeter Ofen in den ersten Minuten so stark.

So zünden Sie richtig von oben an: Schritt für Schritt

Der Aufbau ist denkbar einfach, nur eben umgekehrt zur gewohnten Reihenfolge.

Legen Sie zuerst die großen Scheite unten in den Brennraum, am besten zwei bis drei Stück nebeneinander. Darauf kommt eine Lage kleinerer Holzscheite, quer zur unteren Lage gestapelt. Darüber schichten Sie dünnes Anzündholz, also kleine, trockene Holzspäne. Ganz oben platzieren Sie den Anzünder – einen Holzwolle-Anzünder oder einen anderen natürlichen Kaminanzünder.

Dann zünden Sie nur diesen obersten Anzünder an. Das Feuer brennt jetzt langsam von oben nach unten durch den gesamten Stapel. Die Luftzufuhr Ihres Ofens sollte dabei zu Beginn vollständig geöffnet sein, damit das junge Feuer genug Sauerstoff bekommt.

Worauf Sie achten sollten

Verwenden Sie ausschließlich trockenes Holz mit einer Restfeuchte unter 20 Prozent. Feuchtes Holz macht jede Anzündtechnik zunichte – es qualmt, egal wie clever Sie stapeln. Stapeln Sie außerdem nicht zu dicht: Zwischen den Scheiten muss Luft zirkulieren können. Und greifen Sie zum Anzünden nicht zu Papier oder gar Brandbeschleuniger, sondern zu sauberen Anzündern aus Holzwolle und Wachs – Papier verbrennt zu schnell und erzeugt viel Asche und Flugruß.

Die ersten Male fühlt sich die Methode ungewohnt an, weil sie dem widerspricht, was man gewohnt ist. Aber nach zwei, drei Versuchen werden Sie den Unterschied an der sauberen Scheibe und am ruhigen, gleichmäßigen Abbrand sofort erkennen.

Besonders wichtig beim Speicherofen

Bei einem Speicherofen wie dem Tigchel zahlt sich das saubere Anfeuern doppelt aus. Ein Speicherofen lebt davon, die Wärme eines kurzen, heißen Feuers in seinem massiven Körper aufzunehmen und über Stunden wieder abzugeben. Je sauberer und heißer das Feuer brennt, desto mehr Energie wandert in den Stein – und desto länger bleibt es warm. Eine saubere Verbrennung ist hier also nicht nur eine Frage der Umwelt und der Scheibe, sondern direkt eine Frage der Heizleistung. Wer seinen Speicherofen von oben anzündet, holt schlicht mehr aus jedem Feuer heraus.

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